Mispelgelee

Kennt ihr Mispeln? Nicht zu verwechseln mit den kleinen weißen Misteln, die in den Bäumen hängen und unter denen man sich küssen muss. Mispeln gehören zur Familie der Rosengewächse und sehen ein bisschen aus wie tischtennisballgroße, bräunliche Hagebutten, zählen aber auch zu den Apfelfrüchten. Es ist ein heutzutage ziemlich in Vergessenheit geratenes Obst, das vor hundert Jahren noch in vielen Gärten zu finden war, dann aber durch Äpfel und Birnen verdrängt wurde.

Reife Mispeln

Zu Unrecht, wie ich finde. Zum richtigen Zeitpunkt geerntet und nach richtiger Lagerung schmecken sie ziemlich gut und man kann tolle Sachen daraus zaubern, wie zum Beispiel das Gelee. Und welche Früchte kann man um diese Jahreszeit schon noch vom Baum ernten und essen? Zudem enthalten sie Gerbstoffe und Pektine, die gut für die Verdauung sind und entzündungshemmend wirken sowie Vitamin C.

Ich dachte eigentlich, ich hätte den Erntezeitpunkt dieses Jahr schon verpasst (die Ernte beginnt ab November). Aber als ich an Weihnachten dazu kam, waren sie gerade richtig. Falls ihr also irgendwo so ein Bäumchen stehen habt, probiert es doch mal aus! Falls nicht und falls ihr irgendwo ein Plätzchen (allerdings ein etwas größeres, die Kronen der Bäumchen können 6-7 m breit werden) dafür findet, könntet ihr ja im Frühjahr eines pflanzen?

Wie viele andere Wildfrüchte, die um diese Zeit reif werden, brauchen auch die Mispeln wenigstens einmal Frost, um genießbar zu werden. Noch hart und bräunlich-gelblich können sie dann vom Strauch geerntet werden. Danach müssen sie mindestens noch eine Woche bei Zimmertemperatur gelagert werden. Sie bekommen dann zunächst bräunliche Stellen und werden dann ganz braun, weich und ein wenig schrumpelig. Wenn man also von einem Apfel sagen würde, dass er vergammelt ist, sind die Mispeln gerade erst fertig zum Essen 😉

links bereit zum Verzehr, in der Mitte noch am Reifen, rechts „roh“

Das ist vielleicht auch ein Grund, warum sie mit Äpfeln und Birnen nicht mithalten konnten. In Zeiten, in denen es Normen für den Krümmungsgrad von Bananen gibt und Obst mit den kleinsten Schönheitsfehlern gnadenlos aussortiert wird, will niemand mehr braune, verschrumpelte Früchte.

Wenn man die Mispel aber aufschneidet und mit dem Löffel ein wenig von dem weichen, mürben Fruchtfleisch probiert, wird man feststellen, dass sie ganz und gar nicht vergammelt schmecken, sondern fast wie Marzipan. Auch die Konsistenz ist Marzipan-ähnlich.

Ich habe mir also ein paar Früchte zum pur-Essen aufgehoben und aus dem Rest ein leckeres Gelee gemacht.

Zutaten für ca. 250 g Gelee:

  • ca. 350 g Mispeln
  • 1 Teelöffel Vanillezucker
  • Saft einer halben Zitrone
  • ca. 1/4 Liter Wasser
  • ca. 100 g Gelierzucker 2:1

Zubereitung:

Die reifen Mispeln halbieren und in einen Topf geben. Den Vanillezucker und das Wasser hinzugeben und ca. 20 Minuten leicht köcheln lassen, bis die Mispeln anfangen, zu zerfallen.

Die Früchte halbieren und mit dem Wasser und dem Vanillezucker 20 Min. leicht köcheln lassen

Die Fruchtmasse dann ein wenig auskühlen lassen, in ein ausgekochtes Safttuch (alternativ eine saubere Mullwindel oder Geschirrtuch) geben und über einem zweiten Topf auspressen. Zur Sicherheit hänge ich immer noch ein Sieb über den Topf, dann kann ich das Tuch zwischendurch auch mal ablegen und Pause machen, da es schon ein wenig dauert und in die Arme geht, bis der Saft ausgepresst ist.

Durch ein Safttuch auspressen

Falls ihr einen (Dampf-)Entsafter oder eine Flotte Lotte mit einem Sieb für Gelee habt, müsste es auch damit funktionieren. Am Ende braucht ihr einfach den Saft ohne Fruchtfleisch.

Nun den Zitronensaft dazu geben und die gesamte Saftmenge noch einmal abwiegen. Im Verhältnis 2:1 den Gelierzucker dazu geben und unter ständigem Rühren aufkochen. 4 Minuten köcheln lassen, dann sofort in heiß ausgespülte Gläser gießen und gut verschließen.

Mit dem Gelierzucker aufkochen und 4 Minuten köcheln lassen

Beschriften nicht vergessen. Bei sauberer Verarbeitung hält das Gelee wie Marmelade ohne Probleme ein paar Jahre.

Mispelgelee

Fertig! Lasst es euch schmecken!

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